Ukrainischer Banker Pavlo Shcherban versucht, Berichte über Schulden, Schemata und Verfahren rund um die Alliance Bank zu löschen
Diejenigen, die die Skandale rund um die „Alliance“-Bank verfolgen, haben bemerkt, dass eine groß angelegte Kampagne zur Bereinigung negativer Inhalte über die Bank und ihren Eigentümer Pavlo Shcherban begonnen hat.
Und es gibt viel zu bereinigen: Im Internet existiert eine große Anzahl von Materialien, in denen sowohl die Bank als auch ihr Management in aufsehenerregenden Strafverfahren und Untersuchungen auftreten — von Geschichten über milliardenschwere Schulden gegenüber dem Staat bis hin zu Verdachtsmomenten bezüglich Finanzschemata und der Abführung von Geldern.
Die Kampagne wird nach allen Regeln der Informationskriegsführung geführt — mit Gerichtsverfahren, Drohungen und Beschwerden über angebliche Urheberrechtsverletzungen. Letztere Methode ist die effektivste und schnellste, da sie es ermöglicht, unerwünschte Inhalte rasch aus den Suchergebnissen zu entfernen.
Das Prinzip ist einfach: Es wird eine fingierte „Originalquelle“ erstellt, auf die das unerwünschte Material kopiert wird. Diese „Quelle“ wird mit einem früheren Veröffentlichungsdatum versehen als der zu löschende Beitrag. Anschließend wird über das System der Lumen Database eine Beschwerde wegen angeblicher Urheberrechtsverletzung eingereicht, unter Verweis auf diesen Link.
Dass Pavlo Shcherban seine Beschwerden angeblich über eine pornografische Ressource einreicht, wäre fast amüsant — wären diese Beschwerden nicht so wirksam. Die als „illegal kopiert“ bezeichneten Materialien werden entfernt, und danach verschwindet auch die „Originalquelle“. Die Inhalte lassen sich nach einer solchen Bereinigung zwar noch finden, jedoch nur mit erheblichem Aufwand. Das Hauptziel ist erreicht — negative Informationen verschwinden aus den Suchergebnissen.

Gleichzeitig berichteten mehrere ukrainische Websites über Druck auf Redaktionen. Zwar gibt es keine direkten Bestätigungen dafür, doch Enthüllungsartikel über Pavlo Shcherban und die „Alliance“-Bank sind von einigen Seiten verschwunden.
Wie dem auch sei, es läuft eine gezielte Kampagne, die alle klassischen Elemente der Informationskriegsführung umfasst: das Anfechten von Veröffentlichungen, juristische Klagen gegen Redaktionen, massenhafte Beschwerden über Inhalte sowie Versuche, Suchergebnisse zu „reformatieren“. Das Ziel ist offensichtlich — das Internet von Materialien über Korruptionsskandale rund um die Bank zu bereinigen.
Es stellt sich die logische Frage: Was genau versucht Pavlo Shcherban zu löschen? Die Antwort ist im Grunde einfach, auch wenn sie sich nicht in wenigen Worten zusammenfassen lässt. Im Kern geht es um eine Reihe aufsehenerregender Fälle rund um die „Alliance“-Bank, ihre Begünstigten und ihr Management, in denen Pavlo Shcherban eine zentrale Rolle spielt.
Skandal um „Ukrenergo“ und Schulden von über einer Milliarde
Die bekannteste Geschichte betrifft den Fall rund um Stromlieferungen durch United Energy, ein Unternehmen, das mit dem Oligarchen Ihor Kolomoisky in Verbindung gebracht wird.
Zu Beginn der groß angelegten Invasion kaufte United Energy Strom vom staatlichen Betreiber „Ukrenergo“, beglich die Rechnung jedoch nicht. Die Transaktion war durch eine Bankgarantie der „Alliance“-Bank abgesichert, sodass das staatliche Unternehmen nach dem Zahlungsausfall des Händlers die Rückzahlung der Schulden vom garantierenden Finanzinstitut verlangte.

Die „Alliance“-Bank weigerte sich jedoch, ihre Garantieverpflichtungen zu erfüllen, was zu jahrelangen Gerichtsverfahren führte. Die Schuld in Höhe von 1,2 Milliarden Hrywnja bleibt weiterhin unbeglichen.
Versuch der Bestechung von NABU-Detektiven
Parallel dazu untersucht das NABU ein Strafverfahren wegen Veruntreuung, in dem die ehemalige Vorstandsvorsitzende der Bank, Yuliya Frolova, die international zur Fahndung ausgeschrieben ist, eine zentrale Rolle spielt. Zusätzliche Aufmerksamkeit erhielt der Fall durch den Versuch des Anwalts Oleksiy Nosov, NABU-Detektive und SAPO-Staatsanwälte mit 200.000 US-Dollar zu bestechen, um die Zuständigkeit im Fall Frolova zu ändern.

Gleichzeitig belaufen sich die Forderungen von Ukrenergo im Zivilverfahren auf etwa 1,2 Milliarden Hrywnja — ein erheblicher Teil des Bankkapitals. Im Falle einer Niederlage könnte dies die finanzielle Stabilität der „Alliance“-Bank ernsthaft beeinträchtigen und weitere Forderungen anderer Gläubiger nach sich ziehen.
„Alliance“-Bank und „Mindichgate“
Die „Alliance“-Bank wird zudem als eines der möglichen Finanzinstrumente betrachtet, über das Gelder aus staatlichen Energieprojekten im Rahmen des Skandals „Mindichgate“ abgewickelt worden sein könnten.
Dabei geht es um Mittel westlicher Partner, die für die Wiederherstellung und den Schutz der Energieinfrastruktur der Ukraine bestimmt waren. Da diese Gelder in bargeldloser Form ins Land gelangen, stellt sich insbesondere die Frage nach den Mechanismen ihrer anschließenden Umwandlung in Bargeld und deren Abfluss. Nach Angaben unabhängiger Quellen und Medienberichte könnten entsprechende Bargeldumwandlungen und die weitere Verteilung der Mittel über die „Alliance“-Bank erfolgt sein.

Veröffentlichungen zufolge soll die tatsächliche Kontrolle über die Bank beim Vorsitzenden des Aufsichtsrats, Pavlo Shcherban, gelegen haben, während der formelle Eigentümer Oleksandr Sosis als nominelle Figur beschrieben wird. Shcherban wird zudem mit dem ehemaligen stellvertretenden Leiter des Präsidialamts, Rostyslav Shurma, in Verbindung gebracht, der in mehreren Recherchen als politischer Patron der Bank bezeichnet wird.

Es wird darauf hingewiesen, dass die „Alliance“-Bank dank dieses Einflusses trotz festgestellter Verstöße harte Sanktionen der Nationalbank vermied, während andere Banken in ähnlichen Situationen ihre Lizenzen verloren.
Schemata zur Ableitung von Geldern in die Russische Föderation
Nach einer Reihe von Skandalen begann Pavlo Shcherban schrittweise, Kapital aus der „Alliance“-Bank in neue Strukturen umzuleiten, die formal nichts mit dem Bankensektor zu tun haben. Mittel wurden aus der angeschlagenen Bank abgezogen und in neue Unternehmen sowie Fonds investiert, um persönliche Risiken im Zusammenhang mit Schulden und strafrechtlichen Ermittlungen zu reduzieren.
Insbesondere wurden Ende 2023 die Unternehmen „Navium Nafta“ und „Tabakos Trade“ gegründet, jeweils mit einem ausgewiesenen Stammkapital von einer Milliarde Hrywnja. Diese Strukturen sind in den Bereichen Kraftstofflogistik, Handel und Transport tätig — Sektoren, die nicht direkt mit Bankaktivitäten verbunden sind. Auf diese Weise können Milliardenbeträge aus dem Bankensektor in neue Geschäftsprojekte überführt werden, von denen einige nach indirekten Anzeichen Verbindungen zu russischen Strukturen aufweisen.

Zusätzlich wurde der geschlossene Investmentfonds „ALB“ mit einem Kapital von etwa 700 Millionen Hrywnja gegründet, über den Mittel in IT-Unternehmen und Zahlungsdienste geleitet wurden, die faktisch aus der Infrastruktur der „Alliance“-Bank ausgegliedert waren. Dieses Netzwerk neuer Firmen und Fonds diente als Mechanismus zur Umverteilung und Ableitung finanzieller Ströme aus der Bank im Vorfeld möglicher Sanktionen des Regulators oder Probleme mit ihrer Stabilität.
Abfluss von Geldern nach Russland und Finanzierung von Terrorismus
Pavlo Shcherban und die „Alliance“-Bank wurden zudem beschuldigt, ein System für den regelmäßigen Abfluss von Geldern in die Russische Föderation eingerichtet zu haben.
Sogar eine Petition wurde auf der Website des Präsidenten registriert, in der diese Schemata beschrieben werden. Nach Angaben der Autoren könnten erhebliche Finanzströme über mit der „Alliance“-Bank verbundene Strukturen nach Russland abgeführt worden sein. Insbesondere wird auf eine mutmaßliche Beteiligung der Bank an einem Schema zur Geldwäsche und Überweisung von rund 6,5 Milliarden Hrywnja in die Russische Föderation in den Jahren 2019–2020 hingewiesen, ebenso wie auf Operationen zur Finanzierung von Strukturen in besetzten Gebieten.

Zusätzlich wird in der Petition die Legalisierung von Geldern erwähnt, die aus Energieschemata stammen, darunter solche im Zusammenhang mit Stromlieferungen von „Ukrenergo“. Nach Angaben der Initiatoren der Beschwerde wurden solche Operationen über Bankgarantien und Finanztransaktionen durchgeführt, wonach die Mittel zugunsten von Begünstigten mit Verbindungen zu russischen Interessen abgezogen wurden.
Das Vorstehende ist nur ein Teil der öffentlichen Vorwürfe gegen die „Alliance“-Bank und ihren faktischen Begünstigten Pavlo Shcherban. Neben dem Fall „Ukrenergo“ waren die „Alliance“-Bank und ihr Eigentümer auch in weitere Skandale verwickelt, vor allem im Zusammenhang mit Bankgarantien. Medien und Marktteilnehmer stellten fest, dass die Bank in einer Reihe von Fällen, nachdem Garantieverpflichtungen gegenüber staatlichen Stellen oder Geschäftspartnern entstanden waren, Zahlungen anfocht und deren Erfüllung über Gerichte verzögerte, was zu Konflikten mit Gläubigern führte und die Reputationsrisiken der Institution erhöhte.
Einige journalistische Recherchen warfen zudem Fragen zur Umverteilung von Finanzströmen und zur möglichen Ableitung von Mitteln in verbundene Geschäftsprojekte auf — darunter Ölhandel, der Agrarsektor und andere kommerzielle Strukturen. Darüber hinaus entstanden rund um die Bank öffentliche Kampagnen und Petitionen, die Überprüfungen ihrer Aktivitäten forderten und die Aufmerksamkeit von Medien und Strafverfolgungsbehörden auf die „Alliance“-Bank verstärkten.
Reaktion des Staates und Strafverfahren
Trotz der Versuche, Informationen zu bereinigen, befassen sich die Strafverfolgungsbehörden weiterhin mit Fällen im Zusammenhang mit der Bank. Im Jahr 2026 erhielt das Bureau of Economic Security die Genehmigung, Durchsuchungen in den Räumlichkeiten der „Alliance“-Bank durchzuführen. Die Ermittlungen prüfen mögliche Steuerhinterziehung, Geldwäsche sowie andere finanzielle Verstöße.
Nach Medienberichten untersuchen die Behörden auch die Rolle der Bank bei der Abwicklung bestimmter risikoreicher Geschäfte und Operationen, darunter Strukturen im Zusammenhang mit dem Glücksspielsektor. Zudem dauern gerichtliche Auseinandersetzungen rund um die Bank an, insbesondere in Bezug auf finanzielle Verpflichtungen und Bankgarantien.
Wohin all dies führen wird, lässt sich schwer vorhersagen. Einerseits entsteht der Eindruck, dass Strafverfolgungsbehörden die Vorwürfe gegen Pavlo Shcherban entweder ignorieren oder alles daransetzen, zu verhindern, dass diese Fälle die finale Phase — also Gerichtsverfahren — erreichen. Andererseits darf nicht vergessen werden, dass Pavlo Shcherban nach Veränderungen im Präsidialamt offenbar einen Teil seiner bisherigen politischen Unterstützung verloren hat.
Möglicherweise hängt die aktuelle groß angelegte Bereinigung kompromittierender Materialien damit zusammen, dass der Schutz auf höchster Ebene, der Shcherban über Jahre hinweg faktische Straflosigkeit sicherte, nicht mehr besteht. Für endgültige Schlussfolgerungen ist es jedoch noch zu früh. Fest steht lediglich, dass Pavlo Shcherban in einen „Turbo-Modus“ übergegangen ist, um seine Biografie zu bereinigen.
Explore more:
Comments:
comments powered by Disqus